Ocho in „Anführungszeichen“

Alle die diesen Tango-Blog bereits länger lesen, haben wahrscheinlich schon bemerkt, dass ich „Ocho“ fast immer in Anführungszeichen schreibe.

Der Grund dafür ist, dass der Begriff Ocho sehr oft, eigentlich fast immer, von Tangolehrern und Tangotänzern falsch verwendet wird.

Man könnte jetzt sagen: Na und – was soll die Korinthenkackerei? Es ist doch völlig egal, solange alle verstehen, was gemeint ist.

Leider ist das nicht der Fall.

Zwar verstehen die meisten tatsächlich, was gemeint ist (oder glauben es zu tun), aber durch die falsche Bezeichnung für den größten Teil der getanzten „Ochos“ wird die Wahrnehmung des Ocho verzerrt und für viele das Tanzen desselben unnötig schwerer gemacht.

Warum das so ist, erkläre ich hier.

 

Was also ist nun eigentlich der Ocho?

Ocho heißt auf Spanisch 8 und wenn wir einen kompletten (also wirklichen) Ocho tanzen, zeichnen wir mit den Füßen eine langgestreckte 8 auf den Boden.

Aus welchen Einzelelementen besteht der Ocho?

Der Ocho besteht aus

  • einem gekreuzten Schritt (wahlweise nach hinten oder nach vorne)
  • einem Pivot (Drehung auf dem Standbein, ohne sich vom Platz zu bewegen)
  • einem gekreuzten Schritt (in umgekehrter Richtung als der erste Kreuzschitt)
  • einem weiteren Pivot

Erst dann ist der Ocho komplett, die 8 auf den Boden gezeichnet.

 

Wichtig! Im Gegensatz zu den viel getanzten Rückwärts“ochos“ in der Tanzrichtung wird der wirkliche Ocho auf einer Linie getanzt, weil die 8 doch sonst sehr krunkelig aussieht.

 

In der Realität im Unterricht, oder wenn sonst unter Tangotänzern über „Ochos“ gesprochen wird, wird üblicherweise jeder einzelne Kreuzschritt des „Ochos“ salopp aber falsch als Ocho bezeichnet.

Kein Ocho, nur ein Kreuzschritt der Dame nach vorne

Mache ich im Unterricht auch oft, weil es sich halt in der Tangowelt so eingeschliffen hat.

Wenn man/frau klar hat, was der Ocho eigentlich ist, ist das auch kein Problem.

Das Problem beginnt, wenn die Tänzer und in diesem Fall sind es hauptsächlich die Tänzerinnen, die für gewöhnlich viel mehr „Ochos“ tanzen als die Männer, glauben, sie müssten den Ocho als eine komplette Figur selbsttätig tanzen, sobald der Herr irgendeinen, verborgenen „Ocho“ Knopf drückt.

Und da beginnt es stressig zu werden.

Der Ocho setzt sich ja, wie Ihr jetzt wisst, aus vier verschiedenen Elementen zusammen.

 

Jede Tänzerin kann so gut wie jedes dieser Elemente als Einzelelement problemlos tanzen.

  • Schritt nach vorne? Kein Problem.
  • Schritt nach hinten? Auch kein Problem.
  • Drehung auf einem Bein am Platz? Normalerweise auch kein Problem.

Aber wenn frau glaubt, jedes Mal wenn sie einen gekreuzten Schritt tanzt, einen Ocho als Figur tanzen zu müssen, werden all die einfachen Elemente plötzlich anstrengend.

Ich erlebe zu oft, dass die Damen dann plötzlich völlig vergessen, dass sie ja nur einen einfachen Schritt (nach vorne oder hinten) zu machen brauchen.

Dass sie dann glauben, irgendwie mit Gewalt, verkrampft DREHEN!!! zu müssen (während sie doch in Wirklichkeit durch die Bewegungsdynamik gedreht werden und das nur zuzulassen brauchen).

Oft wird denn Damen beigebracht, dass sie, um die Drehung zu ermöglichen, ihr freies Bein an das Standbein anklemmen, oder irgendwelche seltsamen Verrenkungen mit dem Körper veranstalten müssten, um Schwung für die Drehung zu erhalten.

Kein Wunder, dass die Drehungen dann verkrampft, abgehackt und instabil werden, während sie eigentlich ganz einfach sein könnten, wenn die Dame nichts tut, als sich ganz entspannt, mit lockerem Spielbein, drehen zu lassen.

 

Zusammenfassung!

Der wirkliche Ocho wird auf einer Linie getanzt und besteht aus den oben genannten vier Einzelelementen.*

Alle anderen gekreuzten Schritte sind keine Ochos, sondern eben genau das, gekreuzte Schritte.

Sehr oft tanzen wir diese als Rückwärts-Kreuzschritte in der Tanzrichtung. Ein schönes Element, welches sich dazu eignet, in der Tanzrichtung vorwärts zu kommen (aus der Sicht des Herrn) und lineare und zirkuläre Aspekte verbindet.

Ochos sind das allerdings nicht und es ist hilfreich, wenn man sich das klar macht.

Jeder Kreuzschritt ist ebenfalls nur ein Kreuzschritt (nach vorne oder hinten) aber kein Ocho. Es ist hilfreich, sich das klar zu machen, weil es das Tanzen erleichtert

Das tut es nicht nur, weil man dann den Ocho besser versteht, sondern weil so gut wie alles was wir im Tango tanzen, aus einer Kombination von offenen und gekreuzten Schritten besteht.

Sobald wir das verstanden und ein wenig verinnerlicht haben, wird vieles, was zunächst kompliziert erscheint, plötzlich deutlich leichter (für diejenigen, die in der Herrenrolle tanzen, weil sie anfangen können, mit einfachen Schritten zu spielen und für diejenigen die in der Damenrolle tanzen, weil ihre Tanzpartner plötzlich deutlich entspannter und klarer tanzen).

Und entspannt und ohne Stress und Geruckel tanzen, wollen wir doch alle, oder?

 

*Man mag sich darüber streiten, ob der Ocho eine Figur, im Sinne einer Mini-Choreografie ist, oder ein weiterer Baustein im Tangotänzer-Baukasten, aber das ist mir letztlich egal.

 

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