Was Tango mit Pendeln zu tun hat

Nein, jetzt wird es nicht esoterisch, obwohl ich das immer wieder, etwas spöttisch, gefragt werde, wenn ich die Pendelbewegung ins Spiel bringe.

Aber viele Bewegungen im Tango lassen sich hervorragend mit der Pendelbewegung erklären.

Schauen wir uns dazu einmal ein Pendel an.

Ich bin weder Physiker noch Mathematiker, deswegen halte ich die Beschreibung einfach.

Das Pendel ist an einem Punkt aufgehängt und schwingt, einmal angestoßen, von einer Seite zur anderen. Am höchsten Punkt, dem Umkehrpunkt angekommen, verharrt es einen Moment und schwingt dann wieder zurück.

Jeder von uns hat das wohl schon einmal beoabachtet.

Am Umkehrpunkt hat das Pendel die höchste potentielle Energie, die, sobald es nach unten schwingt, in Bewegungsenergie umgesetzt wird.

Angetrieben durch die Bewegungsenergie wird das Pendel auf der anderen Seite nach oben getragen, bis es dort wieder den Umkehrpunkt erreicht.

Die Bewegung des Pendels ist, zumindest bei einem großen Pendel, einerseits sehr dynamisch, andererseits aber auch sehr ruhig.

Wie können wir uns beim Tangotanzen das Pendelprinzip zu Nutze machen?

Eines meiner beliebtesten Pendel-Beispiele in unseren Kursen ist die „Führung“ und Begleitung der Rückwärts“ochos“ der Dame.

Dabei pendeln wir von links nach rechts und wieder zurück.

Wenn wir, beispielsweise auf unserem rechten Bein, gelandet sind, bleiben wir einen Moment auf diesem stehen. Dieser Moment entspricht dem Umkehrpunkt des Pendels, ich nenne ihn auch einen Moment der Stille.

Das linke Bein (in diesem Moment das Spielbein) wird nicht abgesetzt, sondern hängt frei am Hüftgelenk.

Wenn wir das rechte Bein entspannen und die Bewegung  weitergeht, schwingt das linke Bein nach links, landet und wird zum Standbein. Wir richten uns in unserer Achse auf, das rechte Bein (jetzt das Spielbein) fällt zum linken Bein (jetzt das Standbein), wird aber nicht belastet, und kann frei wieder zurückschwingen.

Das jeweils freie Bein sorgt durch sein Gewicht dafür, dass unser Körper sich bewegt.

Diese Bewegung nach dem Pendelprinzip ist gleichermaßen dynamisch und ruhig. Ochos führen wird dadurch leicht und geht praktisch von allein.

Wichtig sind dabei noch zwei Dinge:

Zum Einen wird das Spielbein welches zum Standbein fällt, nicht belastet, weil sonst der Bewegungsfluss unterbrochen wird.

Das kann man sich vorstellen wie eine große Kirchenglocke, die im Kirchturm hin und her schwingt.

Solange sie frei schwingen kann, schwingt sie, nachdem sie einmal in Bewegung gesetzt wurde, ohne größeren Aufwand.

Sollte sie aber den Boden des Kirchturms berühren (mit sehr unangenehmen Folgen für den Kirchturm) und dort zu stehen kommen, wäre es extrem mühsam, sie wieder hochzuziehen und zum Schwingen zu bringen.

 

 

Zum Anderen ist die Pendelbewegung nicht linear, sondern diagonal auf die Dame zu. Der Herr zielt dabei mit seinen freien Bein auf das freie Bein der Dame.

Linear auf einer Linie hin und her zu pendeln, ist für die Dame auf Dauer anstrengend, weil sie dabei jedesmal eine 180 ° Drehung machen und sich stark verdrehen muss.

Außerdem ist es langweilig und bringt uns keinen Zentimeter in der Tanzrichtung weiter.

 

Das Pendelprinzip finden wir aber auch bei anderen Bewegungen im Tango.

Zum Beispiel bei der Caminada, dem Gehen im Tango. Jedesmal wenn wir uns nach einem Schritt oder mehreren Schritten in der Achse aufrichten um den nächsten Schritt zu starten, oder beim Richtungswechsel in der Molineta.

Mehr dazu gibt´s demnächst in einem anderen Blogbeitrag.

Hilfreich sind vielleicht auch diese Artikel.

Ein paar Praxis-Tipps für das Führen von Rückwärts“ochos“ in der Tanzrichtung

Tango und der Gummi-Delphin

Wie führe ich die Dame in die Molineta und sanft-dynamischer Richtungswechsel mit einem einfachen Trick

 

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