Fallt nicht in die Figurenfalle

Wenn ich Tangotänzer auf einer Milonga beobachte, bemerke ich regelmäßig, dass viele von ihnen auf der Tanzfläche wie wild alle möglichen Figuren abarbeiten, die sie offensichtlich in einem Kurs oder einem Workshop gelernt haben.

Was mich dabei am meisten verwundert ist, dass die große Mehrheit dieser Tänzer das Tangotanzen überhaupt nicht zu genießen scheint.

 

Stattdessen scheinen sie unter höchster Anspannung zu stehen, so viele verschiedene Schrittfolgen wie nur irgend möglich zu machen.
In der Tat scheinen mir viele dieser Tänzer ziemlich unglücklich zu sein, während sie auf der Tanzfläche Schwerstarbeit verrichten.

Männer mit dem Kopf tief zwischen die Schultern gezogen, Zähne zusammengebissen, den Blick zur Erde gesenkt, wie Sklaven, die ein schweres Gewicht von der Stelle bewegen müssen…

Klasse! Sieht aus, als würde es so richtig Spaß machen:-)

Es ist jetzt nicht so, dass ich total gegen Figuren wäre.  Sie können durchaus Spaß machen, und manchmal können sie hilfreich sein, um zu überprüfen ob Eure Haltung und Euer Kontakt zum Partner gut sind.

Allerdings ist Argentinischer Tango ein improvisierter Tanz und auswendig gelernte Figuren sind deshalb beim Argentinischen Tango nicht wichtig, sondern meistens eher hinderlich.

Auf einer vollen Tanzfläche kann man sie ohnehin so gut wie nie wie geplant tanzen. Auf alle Fälle nicht, ohne die anderen Paare zu stören.

Deswegen fallt nicht in die Figurenfalle!

Entspannt Euch. Bewahrt Eure aufrechte Tanzhaltung.

Den Kopf stolz und gelassen erhoben, nicht ängstlich oder angestrengt zwischen die Schultern gezogen.

Hört der Musik zu.

Spürt Eure Tanzpartnerin oder Euren Tanzpartner.

Achtet auf die anderen Paare auf der Tanzfläche.

Und tanzt EINFACH.

Ihr seid nicht verpflichtet, all die Figuren, die Ihr irgendwo gelernt habt vorzuführen. Es gibt keine Aufpasser mit Peitschen, die Euch kontrollieren.

Werdet langsam.

Hört nochmal der Musik zu.

Irgendwann, wenn es für Euch und Eure Tanzpartnerin angenehm ist, und Ihr Platz habt, könnt Ihr gerne etwas von den tollen neuen Sachen ausprobieren, die Ihr im Kurs gelernt habt.

Wenn es funktioniert, wunderbar.

Wenn nicht, versucht nicht, es zu erzwingen. Irgendwann wird sich eine andere Gelegenheit ergeben.

Hört nochmal der Musik zu

Entspannt Euch.

Ihr müsst wirklich nicht schuften und leiden.

Alles was Ihr zu tun braucht, ist entspannt und gemütlich tanzen.

 

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Eine kleine Übung für die volle Tanzfläche

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Tanzt Du schon eine Weile Tango und hast Unterricht bei verschiedenen Tangolehrern genommen?

Dann ist es wahrscheinlich, dass unterschiedliche Tangolehrer völlig verschiedene Arten des Gehens im Tango unterrichtet haben.

Tango Argentino: Das richtige Gehen ist, neben der Musik, eine der wichtigsten Grundlagen für den Tango.

Einige Tangolehrer erklären Dir, dass Du mit dem Fußballen, also vorne, aufsetzen musst.

Andere Tangolehrer sagen, dass Du über die Ferse abrollen musst, wie beim ganz normalen Gehen auf der Straße.

Ganz schön verwirrend, oder?

Wenn´s der eine Lehrer so erklärt und der andere ganz anders…

Vor allem wenn ein Lehrer davon überzeugt ist, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein.

Was kann man da bloß machen?

Keine Sorge! In Wirklichkeit ist das alles überhaupt kein Problem.

Wie Du im Tango richtig gehst, kommt nämlich in erster Linie darauf an, wie und zu welcher Musik Du gerade Tango tanzt.

Wenn Du schnell Tango tanzt, mit langen Schritten, roll über die Ferse ab, ganz genau so, wie Du normal auf der Straße gehst (na ja, vielleicht ein klein wenig eleganter),

Damit das Ganze nicht trampelig aussieht, ist es hilfreich, wenn Deine Knöchel möglichst flexibel und entspannt sind. Dann zeigen die Zehenspitzen nämlich nicht nach oben, sondern Richtung Tanzfläche, und es sieht es fast so aus, als würdest Du mit den Zehenspitzen zuerst, oder zumindest gleichzeitig mit den Hacken aufkommen.

Ich habe schon viele alte Milongueros erlebt, die im Unterricht, im Brustton der Überzeugung, behaupten, sie würden mit den Zehenspitzen zuerst aufsetzen. Bei genauerem Hinsehen stellte ich dann aber fest, dass sie sehr wohl, ganz natürlich, über die Fersen abrollen, dass dabei aber die Füße so entspannt sind, dass es fast so aussieht und sie selber glauben, dass sie mit den Zehenspitzen zuerst aufkommen würden.

Du kannst, zum Spaß, ja mal versuchen, mit langen schnellen Schritten auf Zehenspitzen Tango zu tanzen.

Du wirst allerdings schnell feststellen, dass das ziemlich schwierig ist, wenn Du nicht gerade trainierter Balletttänzer bist.

Außerdem sieht das ganze wahrscheinlich ziemlich lustig aus (nicht dass lustig was Schlechtes wäre, immerhin soll Tango ja Spaß machen :-)

Wenn Du mit kurzen Schritten schnell tanzt, wirst Du meistens auf den Fußballen tanzen, weil Du da normalerweise beweglicher bist.

Außerdem neigt sich dadurch Dein Körper leicht nach vorn und Du hast dadurch besseren Kontakt mit Deinem Tanzpartner

Wenn Du langsam Tango tanzt, mit langen Schritten (oder sogar sehr langsam, fast in Zeitlupe), sieht es sehr elegant aus, wenn Du zuerst auf dem Fußballen landest. Dein Bein solltest Du dabei bis in die Zehenspitzen so weit wie möglich strecken.

Es ist ziemlich schwierig einen langen Schritt langsam zu machen. Du musst dafür wirklich gut in Deiner Achse stehen.

Aber wenn es gelingt, sieht es wirklich klasse aus und fühlt sich auch so an.

Abgesehen davon ist es eine hervorragende Übung für Deinen Gleichgewichtssinn und Deine Bein- und Bauchmuskeln.

Natürlich kannst Du auch mit kurzen Schritten langsam Tango tanzen. Aber ehrlich gesagt, mache ich das so gut wie nie.

Gut, das ist das ganze Geheimnis des Gehens im Tango (zumindest theoretisch) .

Jetzt geh los und tanz!

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