Ich weiß nicht, ob euch das auch schon begegnet ist.
Wenn Ihr aber bereits an Kursen ab gehobener Mittelstufe teilgenommen habt, scheint es mir eher wahrscheinlich.
In Master Classes, an denen ich in den früheren Jahren meiner Tangolaufbahn teilgenommen habe, sagten uns die argentinischen Lehrer bei manchen Bewegungsabläufen (typisch war beispielsweise ein dynamischer Voleo), wir sollten „um die Dame herumgehen“.
Das Problem dabei war allerdings, dass wir nur einen diagonalen Seitschritt an der Dame vorbei machen und nicht wirklich mit mehreren Schritten um sie herumgehen sollten.
Wie soll man aber mit einem einzelnen Schritt, der ja normalerweise gerade ist, um die Dame „herumgehen“ (auch wenn man die Beine kurvenförmig schlenkert, bildet der Schritt von Punkt A nach Punkt B im Endeffekt eine gerade Linie)?
Ich habe lange gebraucht, bis es bei mir klingelte und ich verstand, was die Lehrer eigentlich meinten.
Argentinier sind leider nicht alle Meister der Didaktik und vieles ist, gerade Spitzentänzern, so selbstverständlich, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, dass man es genauer erklären müsste.
Was sie eigentlich meinten, war, dass man während des Seitschrittes diagonal an der Dame vorbei, der ja tatsächlich gerade war, den Oberkörper um die eigene Achse zur Dame hin drehen sollte.
Das ergibt dann tatsächlich eine kreisende Bewegung des Oberkörpers (kein ganzer Kreis, aber immerhin), die man mit viel gutem Willen als „um die Dame herumgehen“ (oder besser: herumbewegen) beschreiben könnte.

Da die Dame ja der Bewegung des Oberkörpers folgt, wird auch der Oberkörper der Dame gedreht, was wiederum runde Bewegungen wie den Voleo ermöglicht (oder in diesem Fall verursacht, falls das Spielbein der Dame entspannt ist).