Erster am Nordpol!!! Ein Schritt ist ein Schritt, ist ein Schritt…

Dieser Artikel richtet sich zwar vor allem an diejenigen, die die Herrenrolle tanzen.

Das Prinzip (beziehungsweise das Problem), welches ich darin beschreibe, gilt aber für beide Rollen, auch wenn es sich meistens unterschiedlich auswirkt.

Vielleicht hast Du das bei Dir selbst auch schon bemerkt.

Du stehst vornübergebeugt da und versuchst, die Dame dazu zu bewegen, etwas zu tun. Es ist mühsam und klappt nur mit großer Anstrengung oder überhaupt nicht.

In dieser Situation versuchst Du, die Dame irgendwie mit den Armen hin und her zu zerren, aber das ist weder für die Dame noch für Dich selbst angenehm.

Vielleicht gibst Du auch frustriert auf, bevor alles noch schlimmer wird.

Dabei sollte es doch einfach sein (hat zumindest Dein Tangolehrer gesagt).

Wenn Du solche Situationen vermeiden willst, musst Du Dir zuerst klar machen, was passiert oder vielmehr nicht passiert ist.

In fast hundert Prozent der Fälle warst Du nämlich zu zaghaft.

Anstatt dass Du einen richtigen, entschlossenen Schritt gemacht hast, hast Du Dich mit einem Schrittchen begnügt.

Das passiert so gut wie immer, wenn der Herr (oder die führende Dame) Angst hat, dem Gegenüber auf die Füße zu treten.

Die Dame erhält von Dir einen Impuls, zu gehen (von Dir weg in beliebiger Richtung), aber Du machst keinen entschlossenen Schritt, um mit der Dame zu gehen und somit in ihrer Nähe zu bleiben.

Das bedeutet, Du bleibst zurück und entfernst Dich somit von der Dame (oder umgekehrt).

Und weil Du jetzt wegen Deines zögerlichen Schritts viel zu weit weg bist, versuchst Du, das zu kompensieren, indem Du Dich vornüberbeugst, um der Dame wieder näher zu kommen, und versuchst, die Führung, die eigentlich durch die Bewegungsdynamik Deines Körpers entstehen sollte, durch mehr oder weniger gekonntes Rumfuhrwerken mit Deinen Armen doch noch irgendwie hinzukriegen.

Das funktioniert meistens nicht gut und bei manchen Bewegungsabläufen funktioniert es überhaupt nicht.

Dabei wäre es leicht gewesen, wenn Du einen entschlossenen Schritt gemacht hättest und in Deiner Achse über dem Standbein ständest.

Um das deutlich zu machen und auch einzuüben, verwenden wir in unseren Kursen das folgende Bild:

Stell Dir vor, Du bist der Erste am Nordpol.

Du kommst an, mit Deinem vollen Gewicht auf dem Standbein, und rammst Deine Fahne ins Eis.

Erster am Nordpol!!!

In dem Moment stehst Du wirklich geerdet über Deinem Standbein. Das macht viele scheinbar komplizierte Bewegungsabläufe einfach, unter anderem (aber nicht nur), weil Du immer in der richtigen Nähe zu Deiner Partnerin bleibst.

Wer schon mal bei unseren Kursen war, weiß, dass wir dieses Spiel noch fortsetzen.
Erster am Südpol, Erster auf dem Mond, Erster auf dem Mars, Erster auf irgendeinem Planeten außerhalb unserer Galaxis und so weiter.

Wichtig dabei ist, jedes Mal mit vollem Gewicht auf dem Standbein anzukommen, die imaginäre Fahne in den Boden zu rammen und für einen Moment das Gefühl auszukosten, Erster zu sein.

Auf diese Weise entfernst Du Dich nie mehr so weit von Deiner Tanzpartnerin, dass Du Deine Achse aufgeben und Dich vornüberbeugen musst, um ihr nahe zu sein.

Außerdem passieren dabei mit unserem Körper auch noch ein paar andere hilfreiche Dinge, die zu beschreiben aber den Rahmen dieses Rundbriefs sprengen würden.

Also, hab Mut. Erster zu sein, hat beim Tango klare Vorteile (und ich bitte „Erster“ nicht im Sinn von „schnell, schnell“ zu verstehen). 

Ich versteh einfach nicht, was er will!

Wer immer auch denkt, dass beim Tango die Frauenrolle ganz einfach zu tanzen sei, irrt sich gewaltig. Das merkt jeder Herr, der ab und zu in der Frauenrolle tanzt.

Klar, wenn man/frau einmal die Grundlagen verinnerlicht und im Körpergedächtnis abgespeichert hat, geht es deutlich leichter (zumindest wenn frau einfach genießen und keine gewaltige Show abziehen will).

Aber bis dahin gibt es, wie die Erfahrung zeigt, eine Menge Unsicherheiten, die frau bewältigen muss.

  • Sie spürt ein Signal, ist sich aber nicht sicher, ob sie es richtig verstanden hat.
  • Hat sie das Richtige getan, die richtigen Schritte in der gewünschten Richtung getanzt?
  • War es das, was der Herr wollte, oder hat sie einen Fehler gemacht? Sollte es sich so anfühlen?

 

Sie versucht, sich anzupassen, schnell zu raten, was der Herr von ihr erwartet und vermeintlich geführte Schritte vorwegzunehmen, bevor noch irgendein Führungsimpuls, eine Einladung kommt.

Anstatt den Tanz zu genießen, fühlt sie sich gestresst und unsicher.

Gut, natürlich sollten Herren oder führende Damen die richtigen Signale geben, klar mitteilen, zu was sie ihr Gegenüber einladen wollen.

Aber selbst dann ist es für die Dame nicht immer klar.

Jeder Tänzer hat eine ganz individuelle Weise, Signale zu geben. Das kann sich bei unterschiedlichen Tänzern ganz unterschiedlich anfühlen, auch wenn sie das Gleiche wollen.

Die Herausforderung für alle die die Damenrolle tanzen (mehr noch als das in der Herrenrolle der Fall ist), ist, sich immer wieder auf neue Tänzer einzustellen.

Diese Herausforderung ist aber auch eine Chance. Durch das Tanzen mit unterschiedlichen Tänzern erweitert sich das sensorische Repertoire. Die Dame lernt, besser zu spüren, auf was der jeweilige Tanzpartner hinaus will.

Gute Tänzerinnen spüren das beim Tanzen sehr schnell und können entsprechend antworten, ohne dabei unter Stress zu geraten. Das braucht jedoch einiges an Übung.

Ein Tipp, den ich immer wieder gebe, ist, wirklich nur dann zu reagieren, wenn das Signal des Herren völlig klar und angenehm ist.

Konsequentes Stehenbleiben zeigt dem Herrn, dass sie ihn nicht verstanden hat (oder sein Signal so unangenehm war, dass sie ihm nicht folgen mag).

Das mag zwar irritierend sein, gibt aber dem Herrn die Chance, dazuzulernen und ein besserer Tänzer zu werden.

Ein anderer Tipp ist, dass die Dame zwar nicht im vorauseilenden Gehorsam auf jedes vermeintliche Signal hin anfängt, einfach auf gut Glück herumzuwuseln, aber immer bereit ist, eine Bewegung, sofern sie sich gut anfühlt, geschehen zu lassen.

Dafür braucht sie drei Dinge:

  • Eine gute, stabile Achse
  • Ein stabiles Standbein, auch wenn sie auf dem Ballen steht (wichtig für Pivots, also Drehungen auf einem Bein).
  • Ein lockeres Spielbein

Sind diese drei Voraussetzungen gegeben, funktionieren viele Dinge fast wie von selbst.

Die Dame braucht sich so gut wie keine Gedanken mehr zu machen, was sie als Nächstes tun muss.

Stabile Achse, stabiles Standbein und das Wissen darum, dass frau sich um das Spielbein gar nicht kümmern muss (außer sie will es, wenn sie beispielsweise Verzierungen macht), geben ihr die Sicherheit die sie braucht, um entspannt zu tanzen.

Dann muss sie sich auch nicht mehr so oft fragen, ob sie verstanden hat, was er wollte.

 

Wollte er eigentlich, dass ich jetzt da hingehe?

Also, tanz entspannt und zerbrich Dir nicht zu sehr den Kopf, ob Du wirklich alles verstanden hast, was Dein Tanzpartner von Dir will.

Selbst wenn Du irgendetwas nicht verstanden hast und etwas anderes machst, als er eigentlich wollte, was
soll´s?

Ein guter Tänzer passt sich an, ein nicht so guter lernt hoffentlich dazu und beim nächsten Mal klappt´s besser.

Und wer weiß, vielleicht entsteht aus dem vermeintlichen Fehler ja eine neue, tolle „Figur“, die Euch beiden Spaß macht und Euch die Bewunderung anderer Tänzer einbringt (kommt gar nicht so selten vor).

Und denkt immer daran, Ihr wollt ja Spaß haben und nicht Stress (da muss nicht alles hundertfünfzigprozentig funktionieren).

Wie Ihr ohne Stress dafür aber mit viel Spaß tanzen könnt, zeigen wir Euch beim Tangourlaub in der Villa La Rogaia. Wollt Ihr mehr wissen? Klickt hier!

Sie tut´s einfach nicht.

Dieser Post ist hauptsächlich für die unter Euch, die die Herrenrolle tanzen. Aber alle anderen dürfen ihn natürlich auch lesen (und den Inhalt weitergeben).

Als Führende(r) leitest du eine Bewegung ein. Du denkst, Du hättest alles richtig gemacht, aber die Dame (oder wer auch immer die Frauenrolle tanzt) tut – nichts.

Oder schlimmer, sie tut irgendetwas, was Du überhaupt nicht wolltest und womit Du nicht im Geringsten gerechnet hast.

Vielleicht stehst Du plötzlich auf ihrem Fuß (oder sie auf Deinem), vielleicht wolltest Du nur einen simplen Rückwärtsschritt führen, aber die Dame macht daraus einen wilden Ocho und reißt Dich dabei fast um.

Als guter Tänzer (der Du doch hoffentlich sein willst) fragst Du Dich, woran das liegt.

Du bist dir unsicher, ob Dein Signal unklar oder missverständlich war. – Du versuchst es noch einmal, gibst die Signale diesmal, zumindest denkst Du das, besser, klarer, unmissverständlicher.

Aber der Erfolg bleibt aus, es will einfach nicht klappen.

Wenn bei Dir jetzt eine Mischung aus Frust, Unverständnis und falsch verstandenem Ehrgeiz hochkommt, solltest Du erst mal tief durchatmen und versuchen, Dich zu entspannen.

Auch wenn irgendeine Bewegung, irgendein Schritt nicht funktioniert hat, ist das nicht das Ende der Welt.

Du hast die Dame zu etwas eingeladen. Sie hat die Einladung nicht verstanden und tut etwas anderes, als das was Du geplant hattest.

Ja und? Was ist schon passiert? Solange niemand zu Schaden gekommen ist (also in den allermeisten Fällen), ist das nicht weiter schlimm.

Was gibt es beim Tango Schöneres, als entspannt und stressfrei zu tanzen?

Mach Pause (kannst Du beim Tango fast immer machen), schau oder besser spür, wo und auf welchem Fuß die Dame steht.

Dann überleg Dir, was Du als Nächstes machen kannst, so dass es für Dich und die Dame bequem ist.

Danach erst bereite den nächsten Schritt vor (wer bei uns im Kurs war, weiß schon: Gummidelphin aufblasen, entspannen und los geht´s)

Neues Spiel, neues Glück.

 

 

Also, tanz entspannt, zerbrich Dir, zumindest während des Tanzens, nicht zu sehr den Kopf, warum die Dame nicht tut, was Du ihr vorschlägst, und versuche nicht, etwas zu erzwingen.

Ihr wollt ja Spaß haben und nicht Stress.

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