Nach welchen Kriterien fordern Tänzer die Frauen auf?

„Was mich interessieren würde ist, nach welchen Kriterien die Tänzer die Frauen auffordern. Was macht es für die Männer attraktiv“

Und nach welchen Kriterien fordert Ihr

Eine Frage an alle Tangotänzer: Nach welchen Kriterien fordert Ihr die Frauen beim Tangotanzen auf?

Diese Frage kommt von Monika, die auch ausführlich auf die Frage geantwortet hat, was  sich  Frauen von einem guten Tangotänzer erwarten.

Ich weiss natürlich nicht von allen Männern, nach welchen Kriterien sie ihre Tanzpartnerinnen auffordern, aber ich sage Euch gerne, was für mich wichtig ist, wenn/bevor ich eine Dame zum Tanzen einlade.

 

 

Es beginnt damit, dass ich Damen, die ich nicht oder nicht gut kenne fast ausschließlich mit Mirada und Cabeceo zu einer Tanda einlade.

Das bedeutet, wenn eine Dame mich nicht anschaut, sondern ihren Blick fest auf den Boden oder sonstwohin, aber eben nicht auf mich richtet, kann ich sie auch nicht zum Tanzen einladen. Anders aber fordere ich Damen nur höchst ungern auf.

Nicht etwa, weil ich so ein empfindliches Seelchen bin und einen Korb nicht verkraften könnte, sondern weil die Tanda dann in den meisten Fällen verloren ist, und ich nicht zum Tanzen komme. Die meisten Frauen wollen nämlich nicht „zweite Wahl“ sein und lassen sich dann für diese Tanda auch nicht gerne auffordern, wenn sie sehen, dass ich von einer anderen Dame bereits eine Absage erhalten habe : -(

Wenn mir eine Dame dagegen durch Blickkontakt signalisiert, dass sie gerne mit mir tanzen würde, hat sie gute Chancen darauf, dass ich diese Aufforderung erwidere. Vielleicht nicht gleich bei der nächsten Tanda aber höchstwahrscheinlich im Lauf des Abends.

Ein anderes, wichtiges Kriterium ist, ob die Dame sympathisch wirkt.

Eine Dame die freundlich, offen, interessiert schaut, hat wesentlich bessere Chancen von mir aufgefordert zu werden, als eine Dame, die eine unfreundliche, sauertöpfische, desinteressierte Miene zur Schau stellt.

Was ich auch einzuschätzen versuche, bevor ich eine Dame auffordere, ist ihr Tanzniveau. Das heißt ich schaue mir im Lauf der Milonga schon an, wie die einzelnen Damen tanzen.

Mit einer Dame, die ganz am Anfang ihrer Tangokarriere steht, und noch sehr unsicher ist, tanze ich beispielsweise nicht bevorzugt schwungvolle, schnelle, dynamische Walzer. Für die Dame ist das in den allermeisten Fällen eine Überforderung, selbst wenn ich aus meiner Sicht fast nichts mache.

Das heißt aber nicht, dass ich nicht mit Anfängerinnen tanzen würde. Nur würde ich dafür vielleicht eher eine Tanda mit nicht zu schnellen, rhythmischen Canaro Tangos, oder etwas vergleichbares, wählen, so dass die Tanda für die Dame und für mich angenehm ist.

Auch langsamere Milongas halte ich übrigens durchaus für „anfängertauglich“. Die meisten Damen kommen dabei erfahrungsgemäß gut mit, obwohl viele es sich oft am Anfang gar nicht recht zutrauen.

Bei manchen Damen, denen ich öfters auf Milongas begegne, weiß ich auch schon, zu welcher Musik wir am schönsten zusammen tanzen können, und lade dann entsprechend ein.

Ja, und manchmal passiert es, dass ich eine Dame treffe, mit der es sich an einem Abend besonders schön tanzen lässt, wo alles passt, und beide das auch gleichermassen so empfinden. In so einem Fall erlaube ich mir, diese Dame, so sie denn will, auch öfters zum Tanzen einzuladen, obwohl ich normalerweise immer versuche mit möglichst vielen verschiedenen Damen zu tanzen, wenn ich nicht in Begleitung auf einer Milonga bin.

Ich will nicht behaupten, dass Aussehen keine Rolle spielt. Immerhin erfolgt der erste Kontakt mit den Augen (außer eine Dame mit einem wirklich betörendem Parfüm würde hinter meinem Rücken vorbeischweben. -)

Eine Dame die mir überhaupt nicht gefällt, die auf mich unsympathisch wirkt, würde ich wahrscheinlich nicht auffordern. Aber wichtiger als Aussehen oder Alter sind die Dinge, die ich oben beschrieben habe, und wie sich das Tanzen anfühlt, wenn es denn soweit ist.

Noch etwas, Damen die permanent ohne Anlass und Rücksicht auf andere Tänzer oder die Musik, wilde, riskante Ganchos und Voleos fabrizieren, fordere ich auch nicht oder allenfalls sehr selten auf.

SO, das wäre meine Meinung zu diesem Thema.

Und jetzt die Frage an die anderen Tangotänzer.

Nach welchen Kriterien fordert Ihr die Damen beim Tango tanzen auf? Ich bin sicher, dass viele Tangotänzerinnen das gerne wüssten. Also sagt Eure Meinung dazu…

 

P.S. Noch eine formale Sache: Damen die keine Tanzschuhe anhaben (egal ob elegant oder sportlich) signalisieren damit, dass sie nicht tanzen wollen, und ich fordere sie daher, normalerweise, auch nicht auf.

 

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Salva

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Mirada und Cabeceo für Männer

Mirada und Cabeceo für Männer.

Auch unter Männern kann man sich mit Mirada y Cabeceo verständigen

Auch unter Männern kann man sich mit Mirada y Cabeceo verständigen

Nein, ich will hier keine Anleitung zum Auffordern für Queer Tango geben.

Das ist auch nicht nötig, weil Auffordern mit Mirada und Cabeceo zwischen Männern genauso funktioniert, wie beim Auffordern zwischen Männern und Frauen oder, der Vollständigkeit halber, zwischen Frauen.

Was ich allen Männern, oder wer auch immer die Rolle des Führenden übernimmt, nahelegen möchte, ist etwas anderes.

Dazu will ich etwas beschreiben, was mir (aber sicher nicht nur mir) auf Milongas oft passiert.

Die Tanda hat bereits angefangen, ich tanze mit meiner Dame nett am Rand der Tanzfläche entlang, ich sehe, dass ich Platz habe, will gerade zu einem größeren, beschwingten Schritt ansetzen…

Plötzlich schießt vor mir ein anderes Paar von außen auf die Tanzfläche. Wie ein Lastwagen, der ohne Rücksicht auf Verluste, mit Vollgas aus einer Hofeinfahrt fährt. Ohne zu schauen, ob jemand kommt, ohne zu schauen, ob man vielleicht jemand in den Weg läuft.

Ich muss meine Dame abrupt in der Bewegung bremsen und kann froh sein, wenn ich sie einigermaßen rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Vollends kritisch wird es, wenn das Paar hinter mir auch beschwingt nach vorne drängt, und mir plötzlich auf den Hacken steht.

Das Paar, welches sich vor mir auf die Tanzfläche gedrängt hat, hat von allem nichts mitbekommen und wird wahrscheinlich auch in vielen anderen Situationen nichts mitbekommen.

Zur Harmonie auf der Tanzfläche trägt das natürlich nicht bei.

 

 

Dabei könnte es so einfach sein.

Ein kurzer Blick auf die Tanzfläche und Du siehst ob Platz ist oder ob Du noch warten musst.

Ein kurzer Blick auf die Tanzfläche und Du siehst ob Platz ist oder ob Du besser noch warten soltest. Such den Blickkontakt. Gut möglich, dass Dir ein anderer Tänzer „Vorfahrt“ lässt.

Der Herr der seine Dame auf die Tanzfläche führt, könnte, bevor er diese betritt, einen Blick in die Runde werfen und schauen, ob Platz ist, ob sich ein anderes Paar nähert…

Falls ja, könnte er Blickkontakt mit dem Herrn dieses Paars aufnehmen, der ja, wie wir alle wissen, für die Navigation verantwortlich ist. Per Blickkontakt können die beiden sich ohne Worte absprechen.

 

 

Falls der Herr des anderen Paars so in die Musik, seine Gedanken oder das Dekolleté seiner Tanzpartnerin versunken ist, dass er gar nichts mehr sieht, wartet Mann bis das Paar vorüber ist (ohnehin sicherer, man will ja nicht in der Nähe eines Paares tanzen, dessen Herr nicht auf den Tanzfluss der anderen achtet) .

 

 

Auch die Damen schätzen es, wenn ihre Tanzpartner sie sicher über die Tanzfläche geleiten

Auch die Damen schätzen es, wenn ihre Tanzpartner Kontrolle über das Geschehen auf der Tanzfläche haben und sie sicher geleiten.

Ist dann immer noch wenig Platz probiert er sein Glück beim nächsten Paar. Keine Sorge! Irgendwann gelingt der sichere Einstieg in die Ronda.

„Mirada y Cabeceo“, also „Blicken und Nicken“ funktioniert also nicht nur bei der Aufforderung zum Tanz sondern in vielen anderen Situationen unseres Lebens.

 

Allerdings nur, wenn „Mann“ nicht blind auf oder über die Tanzfläche und schlimmstenfalls auch den Rest des Lebens rennt.

 

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