Nach welchen Kriterien fordern Tänzer die Frauen auf?

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„Was mich interessieren würde ist, nach welchen Kriterien die Tänzer die Frauen auffordern. Was macht es für die Männer attraktiv“

Und nach welchen Kriterien fordert Ihr

Eine Frage an alle Tangotänzer: Nach welchen Kriterien fordert Ihr die Frauen beim Tangotanzen auf?

Diese Frage kommt von Monika, die auch ausführlich auf die Frage geantwortet hat, was  sich  Frauen von einem guten Tangotänzer erwarten.

Ich weiss natürlich nicht von allen Männern, nach welchen Kriterien sie ihre Tanzpartnerinnen auffordern, aber ich sage Euch gerne, was für mich wichtig ist, wenn/bevor ich eine Dame zum Tanzen einlade.

 

 

Es beginnt damit, dass ich Damen, die ich nicht oder nicht gut kenne fast ausschließlich mit Mirada und Cabeceo zu einer Tanda einlade.

Das bedeutet, wenn eine Dame mich nicht anschaut, sondern ihren Blick fest auf den Boden oder sonstwohin, aber eben nicht auf mich richtet, kann ich sie auch nicht zum Tanzen einladen. Anders aber fordere ich Damen nur höchst ungern auf.

Nicht etwa, weil ich so ein empfindliches Seelchen bin und einen Korb nicht verkraften könnte, sondern weil die Tanda dann in den meisten Fällen verloren ist, und ich nicht zum Tanzen komme. Die meisten Frauen wollen nämlich nicht „zweite Wahl“ sein und lassen sich dann für diese Tanda auch nicht gerne auffordern, wenn sie sehen, dass ich von einer anderen Dame bereits eine Absage erhalten habe : -(

Wenn mir eine Dame dagegen durch Blickkontakt signalisiert, dass sie gerne mit mir tanzen würde, hat sie gute Chancen darauf, dass ich diese Aufforderung erwidere. Vielleicht nicht gleich bei der nächsten Tanda aber höchstwahrscheinlich im Lauf des Abends.

Ein anderes, wichtiges Kriterium ist, ob die Dame sympathisch wirkt.

Eine Dame die freundlich, offen, interessiert schaut, hat wesentlich bessere Chancen von mir aufgefordert zu werden, als eine Dame, die eine unfreundliche, sauertöpfische, desinteressierte Miene zur Schau stellt.

Was ich auch einzuschätzen versuche, bevor ich eine Dame auffordere, ist ihr Tanzniveau. Das heißt ich schaue mir im Lauf der Milonga schon an, wie die einzelnen Damen tanzen.

Mit einer Dame, die ganz am Anfang ihrer Tangokarriere steht, und noch sehr unsicher ist, tanze ich beispielsweise nicht bevorzugt schwungvolle, schnelle, dynamische Walzer. Für die Dame ist das in den allermeisten Fällen eine Überforderung, selbst wenn ich aus meiner Sicht fast nichts mache.

Das heißt aber nicht, dass ich nicht mit Anfängerinnen tanzen würde. Nur würde ich dafür vielleicht eher eine Tanda mit nicht zu schnellen, rhythmischen Canaro Tangos, oder etwas vergleichbares, wählen, so dass die Tanda für die Dame und für mich angenehm ist.

Auch langsamere Milongas halte ich übrigens durchaus für „anfängertauglich“. Die meisten Damen kommen dabei erfahrungsgemäß gut mit, obwohl viele es sich oft am Anfang gar nicht recht zutrauen.

Bei manchen Damen, denen ich öfters auf Milongas begegne, weiß ich auch schon, zu welcher Musik wir am schönsten zusammen tanzen können, und lade dann entsprechend ein.

Ja, und manchmal passiert es, dass ich eine Dame treffe, mit der es sich an einem Abend besonders schön tanzen lässt, wo alles passt, und beide das auch gleichermassen so empfinden. In so einem Fall erlaube ich mir, diese Dame, so sie denn will, auch öfters zum Tanzen einzuladen, obwohl ich normalerweise immer versuche mit möglichst vielen verschiedenen Damen zu tanzen, wenn ich nicht in Begleitung auf einer Milonga bin.

Ich will nicht behaupten, dass Aussehen keine Rolle spielt. Immerhin erfolgt der erste Kontakt mit den Augen (außer eine Dame mit einem wirklich betörendem Parfüm würde hinter meinem Rücken vorbeischweben. -)

Eine Dame die mir überhaupt nicht gefällt, die auf mich unsympathisch wirkt, würde ich wahrscheinlich nicht auffordern. Aber wichtiger als Aussehen oder Alter sind die Dinge, die ich oben beschrieben habe, und wie sich das Tanzen anfühlt, wenn es denn soweit ist.

Noch etwas, Damen die permanent ohne Anlass und Rücksicht auf andere Tänzer oder die Musik, wilde, riskante Ganchos und Voleos fabrizieren, fordere ich auch nicht oder allenfalls sehr selten auf.

SO, das wäre meine Meinung zu diesem Thema.

Und jetzt die Frage an die anderen Tangotänzer.

Nach welchen Kriterien fordert Ihr die Damen beim Tango tanzen auf? Ich bin sicher, dass viele Tangotänzerinnen das gerne wüssten. Also sagt Eure Meinung dazu…

 

P.S. Noch eine formale Sache: Damen die keine Tanzschuhe anhaben (egal ob elegant oder sportlich) signalisieren damit, dass sie nicht tanzen wollen, und ich fordere sie daher auch, normalerweise, nicht auf.

 

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Die gute alte Mirada und der gute alte Cabeceo

 

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12 thoughts on “Nach welchen Kriterien fordern Tänzer die Frauen auf?

  1. (Meine Antwort bezieht sich auf einen Kommentar von Wolfgang auf meinem Blog, siehe http://milongafuehrer.blogspot.de/2016/12/hoch-vom-rosse-komm-ich-her.html)

    Lieber Wolfgang,

    Sicher kann man(n) Dinge bewusst falsch verstehen oder interpretieren. Falls damit ich mit meinem obigen Beitrag gemeint bin: Nein, hab ich nicht, jedenfalls nicht bewusst!

    Aber im Artikel steht ja ein Link auf Deinen Originaltext – den kann jeder lesen und sich dann selber ein Urteil bilden.

    Meine Sichtweisen zum Auffordern habe ich wahrlich an vielen Stellen veröffentlicht. Schon mal das gelesen?

    http://milongafuehrer.blogspot.de/2015/08/warum-tanzt-der-nicht-mit-mir.html
    http://milongafuehrer.blogspot.de/2015/06/mein-asozialer-tango.html
    http://milongafuehrer.blogspot.de/2014/08/zehn-tipps-fur-tanzerinnen-die-nicht.html

    Oder in meinem „Milonga-Führer“? Stünde in der neuesten Auflage auf S. 328-342.

    Und ich hatte eigentlich gehofft, dass meine Einstellung in den satirischen Bemerkungen zu Deinen Kriterien zum Ausdruck kommt.

    Aber bitte sehr, gerne auch nochmal im Klartext und in der Reihenfolge Deines Artikels:

    Cabeceo oder nicht ist für mich kein Thema, denn damit kegelt man gerade Anfängerinnen heraus, die davon nichts wissen oder sich komisch dabei fühlen. Wenn ich also mit so jemand tanzen will, gehe ich hin und frage – und ich würde mich freuen, wenn das viele Frauen ebenso handhaben würden.

    Wenn eine routinierte Tänzerin mich konsequent ignoriert, werde ich sie kaum auffordern – ist schon klar. Bei Anfängerinnen kann eine „unattraktive“ Attitüde viele Gründe haben, über die ich nicht spekuliere. Wenn eine Frau sehr lange sitzt, fordere ich sie einmal auf. Tango ist ein sozialer Tanz. Über die miese „Willkommenskultur“ vieler Szenen habe ich im vorigen Text berichtet.

    Das Tanzniveau ist für mich kein Kriterium. Tango ist ein Abenteuer, irgendwie kommt man schon zurecht, zu jeder Musik. Insofern gibt es bei mir auch keine Lieblingspartnerinnen für bestimmte Tangorichtungen. Entweder man kann tanzen oder nicht, fertig!

    Nochmal positiv zusammengefasst: Aussehen ist für mich kein Thema, eher die Begeisterung für die Musik und der feste Wille, sich tänzerisch weiterzuentwickeln. Damen, die nach zwei Jahren immer noch so tanzen wie am Anfang, werde ich eher nicht auffordern. Aber die können ja mich fragen. Körbe gebe ich keine.

    Ein Problem sind für mich Milongas mit langweiliger (meist eher traditioneller) Musik: Um aus dieser noch einen Hauch Leben herauszutanzen (und die ganzen „Stehlampen“ auf dem Parkett zu umkurven), braucht es schon Super-Tänzerinnen. Zumindest eine habe ich meist dabei.

    Mit bestem Dank für Deinen Kommentar
    Gerhard

    • Lieber Gerhard,

      vielen Dank dafür, dass Du nicht „gekniffen“ hast, sondern hier einen ausführlichen Beitrag mit Deinen Standpunkten schreibst.
      Beim Lesen der von Dir angeführten Blogposts habe ich allerdings den Eindruck, dass wir was das Verhalten im wirklichen Tangoleben angeht, gar nicht so weit voneinander entfernt sind.
      Ich habe, der Einfachheit halber, Deine Zusammenfassung noch einmal kopiert, und antworte direkt im Text.

      „Aber bitte sehr, gerne auch nochmal im Klartext und in der Reihenfolge Deines Artikels:

      Cabeceo oder nicht ist für mich kein Thema, denn damit kegelt man gerade Anfängerinnen heraus, die davon nichts wissen oder sich komisch dabei fühlen.

      Ich finde, dass Mirada und Cabeceo die eleganteste und netteste Art ist, sich zum Tanzen zu verabreden.

      Ich finde auch, dass alle Tangoschulen und Tangolehrer ihren SchülerInnen diese hervorragende Möglichkeit der gegenseitigen Einladung zum Tanz, von Anfang an zumindest zeigen sollten. Ob diese das dann auch anwenden, können sie ja selbst entscheiden.

      Ich jedenfalls bin überzeugt davon, dass sich damit jede Menge Frust und unangenehme Situationen vermeiden ließen. Auch die absurde und leider immer noch oft gestellte Frage, ob Frauen auffordern dürfen, hätte sich damit ein für allemal erledigt.

      Ich gebe Dir recht, dass es für Anfängerinnen, die von Mirada und Cabeceo noch nie gehört haben, schwer sein kann, dieses Spiel mit der gegenseitigen Einladung zu verstehen.

      Aber jeder Tänzer der schon ein wenig Tanzerfahrung hat, und nicht ganz stupide ist, bemerkt auch, früher oder später, dass da eine Anfängerin sitzt, die vielleicht noch etwas schüchtern ist, und keine Tänzerin die bewusst nicht mit ihm tanzen will.

      Und ein Tänzer der nicht vollständig nur in seiner eigenen narzisstischen Welt lebt fordert diese Dame dann auch mal auf, – hoffe ich zumindest. Ich jedenfalls tue das, wenn´s nicht anders geht, dann halt auch ohne Mirada und Cabeceo : -)

      Allerdings finde auch, dass wir alle Frauen ermutigen sollten, eben nicht schüchtern zu sein, sondern ihre Frauenpower beim Tango auch auszuleben.

      Wenn ich also mit so jemand tanzen will, gehe ich hin und frage – und ich würde mich freuen, wenn das viele Frauen ebenso handhaben würden.

      Wenn eine routinierte Tänzerin mich konsequent ignoriert, werde ich sie kaum auffordern – ist schon klar.

      Bei Anfängerinnen kann eine „unattraktive“ Attitüde viele Gründe haben, über die ich nicht spekuliere. Wenn eine Frau sehr lange sitzt, fordere ich sie einmal auf. Tango ist ein sozialer Tanz.
      Völlig Deiner Meinung.

      Über die miese „Willkommenskultur“ vieler Szenen habe ich im vorigen Text berichtet.

      Das Tanzniveau ist für mich kein Kriterium. Tango ist ein Abenteuer, irgendwie kommt man schon zurecht, zu jeder Musik. Insofern gibt es bei mir auch keine Lieblingspartnerinnen für bestimmte Tangorichtungen. Entweder man kann tanzen oder nicht, fertig!

      Sehe ich nicht so. Tanzen soll Spaß machen, und je nachdem wie viel Tanzerfahrung jemand hat, kann man sehr gut die passende Musik aussuchen, zu der man so tanzt, dass es für beide schön und keine Überforderung ist. Und ich will mit Spaß tanzen, nicht bloß „irgendwie zurecht kommen“. Das finde ich auch völlig legitim.

      Und natürlich gibt es Tänzer und Tänzerinnen, denen bestimmte Orchester und/oder Rhythmen mehr liegen als andere und mit denen man dazu besser/schöner/wie auch immer tanzen kann.
      „Entweder man kann tanzen oder nicht, fertig!“ ist mir da doch deutlich zu kurz gegriffen.
      Tango ist auch und vielleicht sogar mehr ein Abenteuer, wenn man nicht nur, notgedrungen, irgendwie schritttechnisch herumstöpseln muss.

      Man kann sehr schön zusammen tanzen, auch wenn man sehr unterschiedliche Tanzniveaus hat, aber es hilft zu wissen, mit wem das zu welcher Musik am besten geht.

      Nochmal positiv zusammengefasst: Aussehen ist für mich kein Thema, eher die Begeisterung für die Musik und der feste Wille, sich tänzerisch weiterzuentwickeln. Okay

      Damen, die nach zwei Jahren immer noch so tanzen wie am Anfang, werde ich eher nicht auffordern. Geht mir auch so, aber Damen die schon länger kenne und mag, fordere ich trotzdem auf. Gut, vielleicht nicht so oft wie andere, mit denen das Tanzen mehr Spaß macht…

      Aber die können ja mich fragen. Körbe gebe ich keine. Ich auch nicht, außer eine Dame fordert mich zu einer Tanda drecksfader Elektrotangos in Überlänge auf. Da gibt´s wirklich nichts was mich zum Tanzen inspiriert, und deswegen kann ich der Dame auch kein wirklich schönes Tanzerlebnis bieten. Allenfalls ein bemühtes, aber das ist nicht das was ich beim Tanzen will und was der Dame gerecht wird. In so einem Fall verabrede ich mich aber gerne mit dieser Dame für eine andere Tanda.

      Ein Problem sind für mich Milongas mit langweiliger (meist eher traditioneller) Musik:
      Das Problem habe ich eher mit Neo- und Nontangos, die finde ich nämlich meist ziemlich langweilig.
      Klar, es gibt auch viele langweilige traditionelle Stücke, aber die sind immerhin für Tänzer geschrieben, und geben deswegen auch ein Minimum an Inspiration. Bei gleichförmigen Elektrobeats kann ich bestenfalls müde gähnen.

      Um aus dieser noch einen Hauch Leben heraus zu tanzen So geht’s mir bei den meisten Elektrotangos : -(und die ganzen „Stehlampen“ Heißen so bei Dir die Pistenpoller? auf dem Parkett zu umkurven), braucht es schon Super-Tänzerinnen.

      Zumindest eine habe ich meist dabei.

  2. Lieber Wolfgang,

    stimmt schon, wir sind wohl in vielen Tangofragen gar nicht weit auseinander. Ich habe – soweit ich mich erinnere – Deine Anmerkungen zur Improvisation und der Verneinung eines „Grundschritts“ schon mal lobend auf meinem Blog erwähnt.

    In diesem Fall aber hat mich der Tonfall Deines Artikels zur Satire gereizt; aber man kann sich ja auch sachlich über die zugrunde liegenden Fragen austauschen – kein Problem.

    Ein paar Anmerkungen zu Deinen Ergänzungen:

    Ich weiß nicht, wieso man nach 200 Jahren europäischer Balltradition nun so ein Gewese um den Cabeceo macht. Er beseitigt keineswegs den einschlägigen Frust, weil er nicht halb so diskret ist, wie man behauptet (siehe den Kommentar von Annette auf meinem Blog). Und die Frauen aktiviert er mitnichten – vor mehr als 10 Jahren, als das Geblinzel hierzulande noch völlig unbekannt war, haben weitaus häufiger Damen die Initiative ergriffen als heute. Der Rest ist schöne Theorie – die Praxis aber passt weder in unsere Kultur noch in unsere Zeit! Aber bitte, wer’s mag…

    Zum Zusammenhang zwischen Musik und Partnerwahl: Ich sollte ja von meinen Einstellungen schreiben, oder? Wer zu bestimmter Musik gesonderte Partnerinnen braucht – bitte sehr, nicht mein Problem.

    Wobei mir wirklich der Kamm schwillt, ist diese verengte Alternative „traditionelle Aufnahmen versus Neo- und Nontangos“. Wer meine vielen Playlisten anschaut, sollte spätestens dann erkennen, wie viele zeitgenössische Musiker es gibt, die wunderbare, wirkliche Tangomusik bieten, oft klassische Titel in modernen Einspielungen – und die gerne (und gut) für Tänzer spielen würden, wenn die herrschende Ideologie es denn zuließe.

    Ich nehme an, Du hast nichts dagegen, wenn ich Deine Antworten in der Kommentarspalte meines Blogs veröffentliche – oder Du schreibst dort selber etwas.

    Beste Grüße
    Gerhard

    • Lieber Gerhard,
      hier kurz meine Meinung zu dem Thema. Ich hab direkt in Deinem Text geantwortet.

      Wobei mir wirklich der Kamm schwillt, ist diese verengte Alternative „traditionelle Aufnahmen versus Neo- und Nontangos“.

      Ich weiß nicht, wessen Sichtweise Du hier meinst. Ich habe überhaupt nichts gegen neue Tangoorchester, und auch nicht gegen neue Tangostücke oder schön tanzbare Neufassungen von alten Stücken.

      Aber Neotango ist für mich etwas anderes als von jetzt lebenden Musikern geschriebene tanzbare Tangomusik.

      Neotango assoziiere ich in erster Linie mit Elektrotango, gleichförmigen Elektrobeats und alibihalber drübergelegtem Bandoneongesäusel, damits halt noch irgendwie in die Tangoschublade geschoben werden kann.
      Wers mag kann das gern hören. Mich langweilt es zu Tode.

      Wer meine vielen Playlisten anschaut, sollte spätestens dann erkennen, wie viele zeitgenössische Musiker es gibt, die wunderbare, wirkliche Tangomusik bieten, oft klassische Titel in modernen Einspielungen – und die gerne (und gut) für Tänzer spielen würden, wenn die herrschende Ideologie es denn zuließe.

      Natürlich gibt es tolle zeitgenössische Musiker, und ich finde absolut, dass wir diese unterstützen sollten.

      Ich weiß nicht, was Du unter „herrschender Ideologie“ verstehst.
      Falls Du meinst, dass die Mehrheit der Tangotänzer nur die alten Orchester hören will, und Neuem gegenüber verschlossen ist, liegst Du aber, meiner Meinung nach, falsch.
      Das Problem ist doch wohl eher die leidige GEMA Herrschaft in Verbindung mit der „Geiz ist geil“ Mentalität vieler Menschen, die nicht verstehen wollen, dass künstlerische Leistung und das Organisieren von Konzerten auch angemessen bezahlt werden müssen.

  3. Hallo liebe Tangomänner,
    ich fühle mich inzwischen wie eine Aussätzige. Vielleicht könnt Ihr mir sagen, ob ich es Eurer Ansicht nach tatsächlich sein muss.
    Ich tanze seit 5 Jahren, habe viel Unterricht genommen und viel getanzt. Ich finde mein Niveau jetzt ganz in Ordnung. Aber: als ich noch wesentlich schlechter tanzte, kam ich viel mehr zum Tanzen. Vier Jahre lang lief es einfach toll! Ich tanzte ununterbrochen, 13 Tandas am Abend waren keine Seltenheit.
    Dann: auf einmal Schluss. Ich saß und saß und saß. Ein Jahr habe ich deshalb nicht mehr getanzt. Dann wieder sachte angefangen. Aber es läuft nicht mehr gut. Das macht einfach keinen Spaß mehr, obwohl ich Tango doch so sehr liebe.
    Was meint Ihr? Wie kann das kommen?
    Bitte spekuliert doch einfach mal. Vielleicht verstehe ich dann etwas.
    Dafür wäre ich Euch unendlich dankbar.
    Liebe Grüße
    Clarissa

    • PS: Den Alterseinfluss sollte man wohl auch nicht unterschätzen. Ich habe dazu jetzt eine Modellrechnung erstellt, die davon ausgeht, dass die Herren jede Dame gleich wahrscheinlich auffordern (möchten), allerdings nicht die mindestens 5 Jahr älteren Damen.

      Zur Milonga seien vier Herren im Alter von 35, 40, 45 und 50 Jahren erschienen und fünf Damen im Alter von 30, 35, 40, 45 und 50 Jahren. Dann möchte der 50-jährige Herr H50 zur ersten Tanda jede der fünf Damen mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% auffordern. H45 möchte jede der Damen D30, D35, D40 und D45 mit 25% Wahrscheinlichkeit auffordern, H40 die D30, D35 und D40 mit je 33% und bei H35 haben beide in Frage kommenden D30 und D35 je eine hälftige Chance auf den Favoritinnenplatz.

      Bei den beiden jüngeren Damen D30 und D35 würden sich die Aufforderungschancen dann zu 50%+33%+25%+20% addieren, zusammen also theoretische 128%. Bei D40 wäre die Summe 78% (= 33% + 25% + 20%), bei D45 45% (= 25% + 20%) und bei der D50 lediglich 20%.

      Nun kann man allerdings nur mit einem Herrn je Tanda tanzen, und selbst bei der Dame im begehrtesten Alter könnte es passieren, dass gerade alle jemand anderes im Blick haben. Betrachtet man nun die Gefahr, bei einer zufälligen Verteilung vom Herren nicht (!) aufgefordert zu werden, so ist diese Wahrscheinlichkeit 80% bei H50 für jede der fünf Damen, 75% bei H45 für die vier jüngeren Damen, 67% bei H40 für D30, D35 und D40 und 50% bei H35 für D30 und D35.

      Für D50 gibt es dann eine 80%-ige Aussicht, sitzen zu bleiben, während dieses Risiko sich bei D30 und D35 zu 80%*75%*67%*50% = 20% berechnet. D45 bliebe in 60% der Fälle sitzen (= 80%*75%) und D40 in 40% der Fälle (= 80%*75%*67%). Umgekehrt ausgedrückt beträgt die Tanzwahrscheinlichkeit 20% für D50, 40% für D45, 60% für D40 und 80% für D30 und D35.

      Nun kommt es aber zu verschiedenen „Zweitrundeneffekten“: Bei den jüngeren Damen gibt es am häufigsten eine „Übernachfrage“, und die jüngeren Herren sind unter ihren Interessenten überrepräsentiert: Die Herren H35 und H40 wollen sie mit 83% addierter Wahrscheinlichkeit auffordern, die H45 und H50 dagegen zu nur 45%.
      Also ziehen H35 und H40 am häufigsten den kürzeren. Wenn sie nun stattdessen zu einer anderen Dame ausweichen (müssen), wird das annahmegemäß ausschließlich die zwei bzw. drei jüngeren Damen treffen, so dass sich deren Tanzwahrscheinlichkeiten von 60% bzw. 80% noch erhöhen, während bei D45 weniger und bei D50 gar keine Chance bestünde, wenigstens als „zweite Wahl“ aufgefordert zu werden.

      In der zweiten Tanda verstärkt sich das Spiel dann, soweit die auffordernden nun versuchen, den in der ersten Runde verpassten Tanz nachzuholen, was wiederum die begehrteren Damen (-Jahrgänge) betrifft. Somit kann sich eine mittlere Aufforderungschance von 80% bei 4 Damen und 5 Herren eben recht unterschiedlich verteilen, selbst wenn die Alterspräferenz jedes einzelnen Herren nicht allzu deutlich erscheint.

      In einer größeren Milonga verstärkt sich der Effekt dann u.a. dadurch, dass die bereits betanzten Damen sich am Ende der Tanda automatisch an den besten Stellen aufhalten, nämlich dort, wo sich die tanzenden von der Tanzfläche zurückdrängen. Wollen die Herren mit keiner Dame zweimal am Abend tanzen, gibt es zusätzlich bei den älteren zuerst einen Sättigungseffekt. Die älteren Herren sind vielleicht auch nicht mehr so fit, machen mehr Pausen. Wenn sie scheinbar mehr Auswahl haben, werden sie auch deshalb wählerischer bei der Auswahl in Abhängigkeit vom Tanzkönnen und Sympathie.

      Schließlich kann man die Wahrscheinlichkeiten (überspitzt) auch so verstehen, dass sie nicht beziffern, wie zahlreich eine Dame aufgefordert wird, sondern ob sie überhaupt regelmäßig aufgefordert wird. Wer bei mittleren, altersunabhängigen (Tanz-) Qualitäten mit 40 noch zu den begehrteren 60% gehört hatte, die regelmäßig aufgefordert wurden, ist dann mit 45 vielleicht gerade nicht mehr unter den begehrtesten 40%.

      Das kann dann alles zusammen zu dem Eindruck führen, es wäre bei nur 5 Jahren mehr „auf einmal Schluss“. Bei wählerischen (jüngeren) Frauen können sich die Ungleichheiten übrigens nicht so stark ausprägen.

      Bei den Herren ist es im Grundsatz ähnlich, aber Tango ist nun mal ein besonders bei Frauen beliebter Tanz mit entsprechendem Ungleichgewicht, während z.B. beim Salsa nach meine Erfahrungen relativ mehr Männer unterwegs sind.

      • Bist Du Mathematiker oder Statistikfachmann?
        Mir wäre es zu aufwendig, das, auch spaßeshalber zu berechnen. Und ich fordere die Damen nicht nach Alter auf, sondern nach Sympathie und, sofern ich diese beurteilen kann, nach Tanzerfahrung und danach welche Musik gerade gespielt wird.

        Und damit Ihr, bei all den Kommentaren die sich hier angesammelt haben, noch wisst, um welchen Artikel es geht, hier der Link der zum Anfang der Seite führt http://tango-kurs.com/nach-welchen-kriterien-fordern-tnzer-die-frauen-auf/

        • Ich gebe offen zu, ich hätte mit 35 keine 50-jährigen aufgefordert, und ich bemerke auch, dass sich heute die 35-jährigen weniger gern von mir auffordern lassen als die 50-jährigen.

      • Diese statistischen Überlegungen werden noch deutlicher, wenn man auch noch berücksichtigt, dass die jüngeren Männer, die in der bevorzugten (etwa gleichaltrigen) Altersgruppe zu kurz gekommen sind, nach oben ausweichen. Dadurch bleibt bis zu einer bestimmten Schwelle die Nachfrage für die Folgenden/Frauen hoch. Beim Überschreiten der Schwelle gibt es dann umso stärker einen Einbruch, wie ihn Clarissa erlebt hatte.

    • [Gehört eigentlich vor meine statistischen Überlegungen]
      Liebe Clarissa,

      für die „plötzliche“ Veränderung gäbe es die mögliche Erklärung, dass Du aus irgendwelchen Gründen mal zeitweilig Pech beim Auffordern gehabt hattest, dadurch die Offenheit oder positive Ausstrahlung verloren hattest, inkl. eines erwartungsvollen Blicks, aufgefordert zu werden, bzw. Du mangels Aufforderung auch nicht mehr auf der Tanzfläche zu sehen warst oder auf dem Weg von der Tanzfläche gleich wieder abgefangen werden konntest, und dies dann dazu geführt hattest, dass Du erst recht nicht mehr aufgefordert wurdest – ein Teufelskreis. Der hat sich dann vielleicht dadurch verstärkt, dass es sich dann anders als früher nicht lohnte, „sich für zwei Tänze am Abend groß zurechtzumachen“, usw..

      Aber vielleicht war es auch eine schleichende Entwicklung, die Dir nicht sofort auffiel, ausgelöst durch Gründe wie
      * Veränderung des Männer/Frauen-Verhältnisses in Deiner Lieblingsmilonga (z.B. andere Milonga mit anderer Musik oder anderem Publikum zieht die Männer mehr an);
      * als fortgeschrittene Anfängerin warst Du aufmerksamer und hast mehr gelobt bzw. besser reagiert denn als Fortgeschrittene, als die Du mehr Erwartung an das hast, was in der Führung kommen könnte;
      * Du bist nicht nur im Pass fünf Jahre älter geworden, sondern dies hat gewisse Spuren hinterlassen, wie z.B. etwas weniger Dynamik in der Bewegung, ein paar Kilo zusätzlich, etwas bequemere Schuhe und vermeintlich alters-angemessene Kleidung oder dieselbe Tangokleidung fünf Jahre gealtert;
      * bei den Männern in konstantem Altersabstand haben die fünf Jahre auch Spuren hinterlassen, so dass Du sie auch nicht so freudig erwartungsvoll ansiehst, wie es bei jungen Kerlen der Fall wäre, die Dich allerdings nicht auffordern;
      * soweit das Tanzparkett als Partnerbörse für kurz oder lang verstanden wird, haben einige ihre Versuche bei Dir schon aufgegeben, haben Dich vielleicht schon „durch“ oder sind anderswo gelandet.

  4. Gutes Gedächnis hilft: „Bei manchen Damen, denen ich öfters auf Milongas begegne, weiß ich auch schon, zu welcher Musik wir am schönsten zusammen tanzen können, und lade dann entsprechend ein.“

    Mit geht es bei manchen Frauen allerdings so, dass ich weiß, dass ich irgendwie einen Bogen um sie mache, trotz äußerlicher Attraktivität, aber mich nicht mehr an den Grund erinnere – ob sie frühere Aufforderungen explizit abgelehnt hatten, bei Aufforderungsversuchen deutlich weggeschaut hatten, ob ein früherer Tanzversuch schlecht ausging, ob einfach die Gelegenheit fehlte, sie aufzufordern, oder warum auch immer.
    Wenn man jemanden dann fünf mal nicht aufgefordert hatte, fällt es umso schwerer, es doch zu versuchen.

  5. Zur Eingangsfrage: „Nach welchen Kriterien fordern Tänzer die Frauen auf?“

    Meine Freundin behauptet ja, ich würde vorwiegend nach Sexyness und Jugendlichkeit auffordern. Dagegen wüssten andere Männer sich „zu benehmen“, weswegen es auch für sie selbst nicht erforderlich wäre, groß auf ihr Äußeres zu achten, vielmehr hätte sie schon altersbedingt sowieso schlechtere Karten. Hmm.

    Aus meiner Sicht hingegen finde ich es schon maßgeblich, ob mit der Aufzufordernden ein Blickkontakt hergestellt werden kann. Manchmal wundere mich aber schon auch, warum gerade Frauen, die nicht viel aufgefordert werden, und die mit nicht mehr so jugendlichem Alter besser zu mir passen würden, sich v.a. durch fehlenden Blickkontakt mit Blick auf den Boden bzw. auf die schon tanzenden, durch abweisende Körperhaltung und ungünstige Sitzposition als unzugänglich präsentieren.

    Vielleicht ist es aber auch so, dass ich bei gleich alten Damen eher annehme, dass sie mich eigentlich als potentiellen Tanzpartner wahrnehmen müssten, sofern ich mich in der Nähe aufhalte oder in ihre Richtung gehe – wenn sie sich dann abweisend geben, müssten sie also einen Grund haben. Bei halb so alten Damen stelle ich vielleicht zu ihren Gunsten in Rechnung, dass sie mich eben nicht als Teil ihrer Zielgruppe im Blick hatten. Zugleich ist ein Korb einer jungen („unpassenden“) Dame besser zu verkraften als der einer gleichaltrigen, wo nicht der Altersunterschied als Vorwand herhalten kann. Aber vielleicht ist auch einfach die Risikobereitschaft (zur Aufforderung ohne vorherigen Blickkontakt) einfach größer, wenn der zu gewinnende Preis attraktiver erscheint?

    Es ist aber auch meine Erfahrung, dass positives Feedback an mich von jüngeren, guten Tänzerinnen mitunter überraschend deutlich ausfällt.

    Ich lasse mich durchaus von einer schönen, die fraulichen Reize betonenden Kleidung mit zu einer Aufforderung verlocken, und gebe auf diese Weise hoffentlich positives Feedback. Ich habe auch den Eindruck, die stärker tangotypisch gekleideten Tänzerinnen sind im Durchschnitt besser drauf, bzw. macht es mit ihnen mehr Spaß.

    Wenn mehr als drei Frauen wie die Hühner auf der Stange nebeneinandersitzen, hemmt mich das am auffordern; wenn man von einer einen Korb bekommt, sind die anderen für mich im Prinzip auch mindestens so lange verbrannt, wie sie an diesem Ort verharren.
    Wenn ich gezwungenermaßen doch zu so einer Damengruppe gehe, und eine interessiert aufschaut, werde ich im Regelfall diese auffordern – falls ich eigentlich ihre Sitznachbarin fragen wollte, kann ich mir das dann auch noch für später aufheben.

    Nun lebe ich in einer Stadt mit mehreren Milongas und daher zahlreichen mir unbekannten Besucherinnen; gute Erfahrungen in der Vergangenheit sind natürlich am wichtigsten bei der Auswahl.

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